Der historische Jesus: Leben und Verkündigung

Analyse des historischen Jesus von Nazareth, dessen Verkündigung Angelpunkt der Menschengeschichte geworden ist.

Der Zinsgroschen (Masaccio)

Über Jesus von Nazareth ist sehr vieles gesagt worden. Man kann aber mit Sicherheit sagen, dass seine Figur der Angelpunkt der Geschichte gewesen ist.

Mit diesem Artikel möchte ich versuchen, jenen, die sich seiner Figur aus einer historischen Perspektive nähern möchten, einige Anregungen zu geben und gleichzeitig einige Fragen zu beantworten, die mir von jungen Freunden gestellt wurden,.

Die erste Schwierigkeit besteht jedoch darin, zu bestimmen, was wir mit dem Begriff Geschichte verstehen, insbesondere im Hinblick auf „Jesus“.

In vielen westlichen Sprachen wird der Begriff „Geschichte“ mit unter sich ähnlichen Wörter übersetzt: z.B. storia auf Italienisch; history auf Englisch; histoire auf Französisch, historia auf Spanisch, usw. Der gemeinsame Nenner dieser Wörter ist deren Herkunft: zum ersten Mal wurde das Wort ἱστορία (historía) im Griechischem verwendet und man bezeichnete damit eine Forschung. Im griechischen Wort erkennt man den Stamm ιδ- des Verbs ὁράω (horao, sehen; ein unregelmäßiges Verb mit drei Stämmen: ὁρά-; ιδ-; ὄπ-). Das Perfekt οἶδα (òida) bedeutet also „ich habe gesehen“, aber im weiteren Sinne auch „ich weiß“. Der eigentliche Begriff von Geschichte bezieht sich somit auf das Beobachten oder besser auf das Wissen als Folge einer objektiven Wahrnehmung; den gleichen Sinn finden wir auch im Stamm des lateinischen Verbs video (v-id-eo, und im Begriff griechischen Ursprungs „Id-ee“)1. Voraussetzung einer historischen Forschung nicht nur der kritische Sinn sondern auch die Intelligenz ist, zwar im wortwörtlichen Sinne des lateinischen Begriffs: intus lĕgĕre, d.h. hinein lesen, vertiefen. Dabei muss man aber die Fähigkeit bewahren, die Gesamtheit der Fakten und der Ereignisse zu überblicken.

Nach dieser kurzen Begriffsklärung ergibt sich die Frage, wie wir daher das „Jesus-von-Nazareth-Problem“ aus der Sicht der historischen Forschung angehen sollen. Jean Guitton2, ein katholischer Philosoph aus Frankreich, der sein ganzes Leben lang der Erforschung an der Figur des Nazareners gewidmet hat, hat drei unterschiedliche mögliche Lösungsansätze erarbeitet.

  • Die kritische Lösung: Jesus von Nazareth hat wirklich gelebt und der Ursprung des Christentums ist ein historisches Phänomen, dessen Untersuchung jedoch alle Wunder und unerklärbare Ereignisse ausschließen muss.
  • Die mythische Lösung: Jesus von Nazareth hat eigentlich nie gelebt. Alles was über ihn geschrieben und gesagt worden ist, ist eine Erfindung einer Gruppe schwärmerischen Menschen.
  • Die Lösung aus dem Glauben: Jesus von Nazareth hat nicht nur gelebt, sondern auch alles, was über ihn in den kanonischen Schriften und im Neuen Testament erzählt worden ist, entspricht der Wahrheit.

Drei einfache Fragen zu Jesus

Die erste Frage: hat Jesus gelebt? Dieser ersten Frage kann man bereits eindeutig mit „Ja“ beantworten. Man kann daher die „mythische Lösung“, die behauptet, dass Jesus Frucht der Phantasie irgend eines Menschensei, ausschließen, denn vor allem in diesen letzten Jahren wurden Jesus und die Zeit in der er gelebt hat, mithilfe der Bibelhermeneutik, der Geschichtsschreibung, der Archäologie, der Linguistik und der Philologie genauestens untersucht.3

Die zweite Frage: ist Jesus wirklich so wichtig gewesen? Sicherlich und ohne Zweifel. Er ist für die Menschheit so wichtig gewesen, dass man heute noch die Geburt Christi als Bezugspunkt unserer Zeitrechnung verwenden (z.B. „nach Christus“). Andererseits ist die Botschaft Christi für viele ohne Vergleich in der Geschichte, nicht nur für fast alle die von ihr gehört haben, sondern auch für die überzeugsten Gegner des Christentums und der Verehrung Jesu.

„Gott am Kreuz: verstehen wir immer noch nicht die furchtbare Gedankenwelt, die in diesem Symbol verborgen ist? All das, was leidet, alles, was am Kreuz hängt, ist göttlich… Wir hängen alle am Kreuz, deshalb sind wir göttlich.“ (Friedrich Nietzsche)4

„Wenn man ein Kind als Mensch betrachtet, obwohl er keine elementaren sozialen und kulturellen Beziehungen pflegt, hängt es nur von dem Einfluss der jüdisch-christlichen Tradition und ihrer spezifischen Deutung des Menschen ab.“ (Richard Rorty)5

„Das Christentum ist die größte Revolution gewesen, welche die Menschheit je vollbracht hat: so groß, so umfassend und tiefgehend, so fruchtbar in ihren Folgen, so unerwartet und unwiderstehlich in ihrer Umsetzung, dass es nicht überraschend ist, wenn es wie ein Wunder, eine Offenbarung von oben, ein direktes Eingreifen Gottes in der Menschengeschichte, die dadurch ein völlig neues Gesetz und Richtung bekommen hat erschienen ist und auch heute als solches erscheint.“ (Benedetto Croce)6

Die dritte Frage: wer war Jesus von Nazareth wirklich? Diese Frage ist schwierig zu beantworten! Der Verfasser kann hier nur versuchen, die Kriterien der sogenannten „Dritten Forschung“7 (Third Quest) über den historischen Jesus anzuwenden und, als Historiker, sich auf die Beobachtung und Analyse der Daten, die von den Fachexperten (wie die Italiener Giuseppe Ricciotti und Vittorio Messori, der Israeli David Flusser, die Deutschen Joachim Jeremias und der berühmte Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI.) in ihren monumentalen Büchern ausreichend geschildert wurden, zu beziehen. Die Vertreter dieser „dritten Forschung“ gehen von der folgenden Grundvoraussetzung von Albert Schweitzer aus: man kann nicht alles ideologisch zurückweisen, was in den Evangelien und im Neuen Testament nach Wundertätigem riecht zurückweisen, weil es nicht dem Kanon des aufklärerischen Rationalismus entspricht. Übrigens, wie Papst Benedikt XVI. in seinem Buch „Jesus von Nazareth“ hinzufügt8, die Grenzen der historisch-kritischen Methode bestehen darin, „das Wort in der Vergangenheit zu belassen“, ohne es „aktuell, gegenwärtig“ verarbeiten zu dürfen; sie bestehen auch darin, „die Worte, die man vor sich hat, als menschliche Worte zu behandeln“; und schließlich darin, „die Bücher der Heiligen Schrift nach ihrer Quelle weiter zu unterteilen, aber die Einheit all dieser Schriften als Bibel ergibt sich nicht als unmittelbare historische Tatsache“.

Man könnte daher behaupten, dass die von Jean Guitton vorgeschlagenen Grundvoraussetzung der „dritten Lösung“, die des Glaubens, besteht nicht darin, gezwungenermaßen zu glauben, sondern darin, die Möglichkeit offen zu lassen, dass, was in den Quellen steht wahr sein könnte.

Wo wurde Jesus geboren?

Da die dritte Forschung über den „historischen Jesus“ auf der Notwendigkeit besteht, den kulturellen, religiösen und sprachlichen Kontext, in dem Jesus lebte, zu analysieren, sind einige Punkte nennenswert.

Woher stammte Jesus? Es ist mir geschehen jemanden behaupten zu hören, dass er „Israeli“ sei; andere sagten hingegen er sei „Palästinenser“. Keiner der beiden Begriffe ist korrekt, da Israelis Bürger des heutigen Staates Israel sind (und es können Juden, ebenso wie muslimische Araber aber auch Christen usw. sein); Palästinenser, anderseits, sind die heutigen arabischsprachigen Bewohner der Region, die wir heute als Palästina bezeichnen.

Jesus war also weder Israeli (allenfalls Israelit) noch ein Palästinenser, da zu seiner Zeit das heutige Palästina andere Gebiete enthaltet. Dieser Name wurde der Region erst ab 135 n.Chr. von Kaiser Hadrian verliehen, nach dem Ende des Dritten Jüdischen Krieges, als die ehemalige Provinz Judäa, die ihrer jüdischen Einwohner beraubt worden war, aus Verachtung, in Syria Palæstina umbenannt wurde. Bis zu der Zeit, war Palästina ein schmales Gebiet, das mehr oder weniger dem heutigen Gazastreifen entspricht; in diesem Gebiet befand sich die antike philistische Pentapolis, eine Gruppe von fünf Stadtstaaten, die von einer indoeuropäisch-sprechenden Bevölkerung bewohnt war, die historisch den Juden feindlich gegenüberstand: die Philister.

“Palästina” zur Zeit Jesu

Zu Beginn des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung hatte das alte Königreich Israel, das sich in die Reiche Israel und Juda gespaltet hatte, aufgehört, ein unabhängiger Staat zu sein. Damals bestand Israel aus drei Teilen: Judäa, die Hochburg des orthodoxen Judentums, die unmittelbar Rom unterstellt war und daher von einem Präfekten (praefectus) verwaltet war, und zwei weiteren historischen Regionen, Galiläa und Samaria. Samaria, eine Hochebene in der Mitte des heutigen Palästina, war von den Samaritern, Nachkommen asiatischer Ansiedler, bewohnt, die im 5. Jahrhundert v.Chr., zur Zeit der Eroberung des Königreichs Israel, von den Assyrern angesiedelt wurden. Die Prominenten dieser Region waren nämlich verschleppt worden, während die Bürger zurückgelassen wurden und sie vermischten sich mit den Neuankömmlingen.

Die Prominenten dieser Region waren nämlich verschleppt worden, während die Bürger zurückgelassen wurden und sie vermischten sich mit den Neuankömmlingen.Daraus entstand ein Kult, der zunächst synkretistisch war, der sich aber später in einer monotheistischen Religion verfeinerte; dieser neue Kult setzte sich jedoch dem Judentum entgegen. Auf einer Seite waren die Juden stark überzeugt, die legitime Nachkommen der Patriarchen und die Hüter des Bundes mit Jahwe, des Gesetzes und des Kultes im Tempel Jerusalems zu sein; auf der anderen Seite hielten die Samaritern dies von sich selbst und hatten ihr Kultzentrum in einem Tempel auf dem Berg Garizim, nicht weit von der Stadt Sichem-Sicar, gefunden.

Das Königreich Galiläa zur Zeit Jesu

Galiläa war ein Gebiet mit gemischter Bevölkerung (das ergibt sich im heutigen Staat Israel immer noch: zur Hälfte arabisch und zur Hälfte jüdisch): jüdische Dörfer und Städte (wie z.B. Nazareth und Kana) und griechisch-römische Städten (wie z.B. Sepphoris, Tiberias, Caesarea Philippi) lagen unmittelbar beieinander. Die Bevölkerung dieser Region, selbst wenn sie jüdischen Glaubens und Kultur war, wurde von den Bewohnern Judäas angeprangert, da sie sich rühmten, reiner und kultivierter zu sein als die primitiven und streitlustigen Galiläer (die jedoch, anhand neuer archäologischer Entdeckungen, ihren südlichen Brüdern, was die Strenggläubigkeit betrifft, in nichts nachstanden).

Oft wird Jesu bezüglich in den Evangelien gesagt, dass „nichts Gutes aus Nazareth oder Galiläa kommen kann“. Übrigens berichten nicht nur die Evangelien, sondern auch die wenigen übrig gebliebenen rabbinischen Schriften aus der Zeit Jesu, dass man sich über die Galiläer wegen ihrer Redeweise lustig machte. Hebräisch und Aramäisch (eine damals im gesamten Nahen Osten gesprochene Verkehrssprache, die auch von den Israeliten nach der Deportation nach Babylon im Jahr 587 v.Chr. verwendet wurde, als Nebukadnezar Jerusalem eroberte und den ersten Tempel zerstörte) haben wie alle semitischen Sprachen viele gutturale Buchstaben, aspirierte Laute und Knacklaute. Doch die Galiläer sprachen viele Wörter auf einer von den Juden als komisch oder vulgär empfundenen Art und Weise aus. So wurde beispielsweise der Name יְהוֹשֻׁעַ, Yehoshu‛a, als Yeshu ausgesprochen, daher die Übertragung ins griechische als Ιησούς (Yesoús), die später ins lateinische9 Jesus endete.

Galiläa war jedoch ein Vasallenkönigreich Roms und war zu der Zeit von Herodes dem Großen regiert. Herodes war ein König heidnischer Abstammung und Handlanger Augustus, der ihn tatsächlich auf den Thron Galiläas setzte. Herodes, der für seine Grausamkeit aber auch für seine List bekannt war, scheute keine Mühe um den Zuspruch des jüdischen Volkes zu gewinnen (aber auch nicht um es zu entfremden); seine Mühen blieben erfolglos, vor allem, weil er nicht jüdischen Blutes war.

Unter anderem ließ er den Tempel in Jerusalem, den das Volk Israels nach seiner Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft wieder aufgebaut hatte, vergrößern und verschönern. Als Jesus geboren wurde, waren die Bauarbeiten immer noch im Gange und wurden nur kurz vor dem Jahr 70 n.Chr. abgeschlossen. Als aber in diesem Jahr die von Titus geführten Römer Jerusalem eroberten, wurde der Tempel dem Erdboden gleichgemacht.

See Genezareth, fotografiert von Gerardo Ferrara im Jahr 2017

Nicht fern von dort, weiter nordöstlich, am Ostufer des Sees Genezareth, bildete ein Bündnis aus zehn Städten (die Dekapolis) eine hellenisierte Kulturinsel.

Die Heimat und die „Mitbürger“ Jesu: die jüdischen Schulen

Es ist gut zu erinnern, dass das Judentum in Israel zu der Zeit keineswegs ein einheitlicher Monolith war. Die wichtigsten Sekten, oder Schulen, waren damals folgende:

  • Die Sadduzäer (auf Hebräisch צַּדּוֹקִים, ṣaddōqīm): sie waren nach dem Namen ihres Stammvaters, ṣaddōq, genannt und waren die priesterliche Klasse und Elite der damaligen Zeit. Sie waren wohlhabende religiöse Beamte, die im Tempel dienten. Sie glaubten weder an die Auferstehung der Toten noch an die Existenz von Engeln, Dämonen und Geistern; sie waren der Meinung, dass das einzige Gesetz, das man befolgen musste, das in der Thora (תוֹרָה, die ersten fünf Bücher der Bibel, das Pentateuch) enthaltende sei.
  • Die Pharisäer (auf Hebräisch: פְּרוּשִׁים, perūšīm, das soviel wie „abgetrennt“ bedeutet): sie waren fromme Gesetzesgelehrte, die sich bis auf die Kleinigkeiten des Gesetzes konzentrierten. Für ihnen bestand das Gesetz nicht nur aus dem Schriftgesetz (Thora), sondern vor allem aus dem mündlichen Gesetzen, die Halacha (הֲלָכָה). Diese mündliche Vorschriften erstreckten sich auf die verschiedensten Handlungen des zivilen und religiösen Lebens, d.h. von den komplizierten Regeln für den gottesdienstlichen Opfer bis zum Geschirrspülen vor den Mahlzeiten. Die Pharisäer waren also den heutigen ultraorthodoxen Juden nicht nur ähnlich, aber auch quasi dessen Vorläufer. Wie vor kurzem gedeutet wurde, nannten sie sich „Getrennte“, weil sie sich als Gegner von allem sahen, was nicht rein jüdisch war, d.h. sie selber. Sie nannten beispielsweise das Volk עַם הָאָרֶץ (‛am ha-areṣ, Volk der Erde) in einem abwertenden Sinn.
  • Die Herodianer, deren Sensus fidei nicht ganz klar ist, waren jedoch für ihre Loyalität zu König Herodes bekannt. Wahrscheinlich, sind sie auch den Sadduzäern nahe gestanden, da diese die Elite der Zeit waren, die stark von der Macht des Herodes und der Römer abhängig war und fest entschlossen war, ihre Privilegien beizubehalten.
  • Die Schriftgelehrten (auf Hebräisch: סופרים, ṣōfarīm): sie kodifizierten schrittweise alles, was gesetzlich geregelt werden konnte. Zum Beispiel, zur Zeit Jesu wurde in den zwei wichtigsten rabbinische Schulen darüber debattiert, ob es erlaubt sei ein an einem Sabbat gelegten Hühnerei zu essen.
  • Die Zeloten (deren italienischer10 Name sich vom griechischen ζηλωτής, zelotés, ableitet; auf Hebräisch wurden sie aber קנאי, qana’īm genannt): beide Begriffe, griechisch und hebräisch, bedeuten „Anhänger“ und bezeichnen den Eifer, mit dem sich diese Gruppe an die Lehre des Judentums festhielt, auch im politischen Sinne (unter den Jüngern Jesus gibt es einen, der Simon der Kanaaniter genannt wird; dieser Begriff, bezieht sich nicht auf seine geografische Herkunft, sondern auf seine Zugehörigkeit zur Gruppe der qana’īm, die Zeloten).
  • Die Essener, die eigentlich weder jüdischen noch christlichen Schriften sondern von Flavius Josephus, Philo, Plinius und anderen erwähnt werden. Sie bildeten eine wahre und leibhaftige religiöse Gesellschaft, die sich vor allem um das Tote Meer nicht weit von der Oase En Gedi (mit dem Namen Qumran bekannt, die sie aber Yaḥad nannten, d.h. Gemeinschaft) befand. Sie lebten im Zölibat, trennten sich streng von der Welt und lehnten den Tempelkult und andere jüdische Sekten als unrein ab. Um ein eigentlicher Mitglied der Essener zu werden, musste man ein Noviziat absolvieren. Sie waren tatsächlich auf der Beachtung der rituelle Reinheit fanatisch (es wurden in Qumran zahlreiche rituelle Bäder gefunden) und waren den Frauen abgeneigt. Privateigentum gab es bei ihnen nicht, und es war übrigens verboten Waffen zu besitzen. Man vermutete, dass sowohl Jesus als auch Johannes der Täufer Essener gewesen sein konnten, aber dies würde im Widerspruch zur Universalität ihrer Botschaft stehen. Ihre Botschaft war nämlich auch für Frauen offen, dies wäre für die Essener unzulässig gewesen.

Diese waren also die größeren Gruppen, in die das Judentum zur Zeit Jesu unterteilt war. Nur die pharisäische Glaubenslehre überlebte die großen Katastrophen von 70 und 132 n.Chr. Und gerade aus dieser Glaubenslehre stammt das moderne Judentum.

Man muss aber auch bemerken, dass das Volk die Pharisäer hoch einschätzte, obwohl die Pharisäer selbst, wie bereits gedeutet wurde, es für abscheulich hielten. Johannes der Täufer und Jesus wenden sich genau an dieses Volk, das von der gesamten priesterlichen, religiösen und intellektuellen Kaste Israels verhöhnt wurde. Und es werden gerade diese Menschen sein, die an die von der außergewöhnlichen Einigung der Pharisäer, der Schriftgelehrten und der Sadduzäer bekämpften Botschaft des Nazareners glaubten.

Die Erwartung eines Messias

In diesem vielschichtigen Kontext im damaligen Israel gärte aber auch eine ganz einzigartige und fromme Erwartung. Auf wen oder was wartete man? Man erwartete einen Befreier, einen von dem allmächtigen Gott Gesalbten, von Gott selbst gesendet, wie er es auch für Moses getan hatte, um sein Volk von der Sklaverei und der Fremdherrschaft zu befreien. Diesmal aber, so glaubte man, hätte seine Herrschaft kein Ende gehabt, da dieser Messias (מָשִׁיחַ, Mašīaḥ, auf Hebräisch und Χριστός, Christós, auf Griechisch: beide Begriffe bedeuten „gesalbt“, da der Messias von Gott gesalbt sein sollte, wie die Könige aus der Zeit Sauls und seines Nachfolgers David) nicht nur ein Prophet gewesen wäre, sondern auch, wie die Schriftrollen vom Toten Meer und die Essern aus Qumran erwarteten, ein König als Hirte und ein Priester.

In jenen Jahren, unmittelbar vor der Geburt Jesu, wurde diese Erwartung immer größer. Überall tauchten angebliche Heilande auf und mit ihnen blühten Aufstände, die immer wieder blutig niedergeschlagen wurden (man erinnere Judas den Galiläer, zwischen 6 und 7 n.Chr.). Zugleich blühten aber auch fromme Gemeinschaften, die aufgrund einer sehr genauen Weissagung auf die Ankunft eines Erlösers warteten. Jedenfalls wissen wir, dass in jener Zeit, in der große Stabilität dank des römische Reiches herrschte, das Volk Israel hingegen die bevorstehende Ankunft eines Befreiers erwartete. War das immer schon so gewesen?

Die Erwartung eines Weltherrscher dauerte eigentlich schon mehrere Jahrhunderte. Zum ersten Mal wird diese Hoffnung schon im Genesis (Buch Mose, 49) erwähnt.11

Im Laufe der Zeit verstärkt sich daher die Vorstellung einen von Gott Gesalbten der über Israel herrschen würde. Diese Idee wird übrigens immer genauer: der Gesalbte, der Messias, soll ein Nachkomme Judas durch dem Stamm Davids sein. Allerdings kam es 587 v.Chr. zur ersten großen Enttäuschung: die Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar. Er machte den Tempel dem Erdboden gleich, plünderte die sakrale Einrichtungsgegenstände, verschleppte die Bevölkerung Judäas nach Babylon und setzte einen Schlusspunkt hinter die Dynastie Davids. Doch der letzte der Propheten des Alten Testaments, kündigt, dass der Messias tatsächlich kommen wird. Seine Weissagung, die sogenannte Magna Prophetia, deutet nämlich (Kapitel 2):

Der Gott des Himmels“ wird „ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht; dieses Reich wird er keinem anderen Volk überlassen. Es wird alle jene Reiche zermalmen und endgültig vernichten; es selbst aber wird in alle Ewigkeit bestehen.

Und nicht nur dies: in Kapitel 7 heißt es, dass der Kommende „wie ein Menschensohn“ sein wird (im Matthäus-Evangelium, das für die jüdische Gemeinschaften in Palästina verfassten Evangelium, wird rund 30 Mal den selben Ausdruck „Menschensohn“ verwendet. Dieser Ausdruck wurde zuvor ausschließlich vom Prophet Daniel verwendet.)

In Kapitel 9 konkretisiert der Prophet auch eine zeitliche Angabe:

Siebzig Wochen sind für dein Volk und für deine heilige Stadt bestimmt, bis der Frevel beendet ist, bis Visionen und Weissagungen besiegelt werden und das Allerheiligste gesalbt wird. Nun begreif und versteh: Von der Verkündigung des Wortes über die Rückführung des Volkes und den Wiederaufbau Jerusalems bis zur Ankunft eines Gesalbte, eines Fürsten, sind es sieben Wochen.

Wie man also lesen kann, ist die soeben zitierte Weissagung äußerst präzise. Die genaue Übersetzung jedoch des hebräischen Begriffs שָׁבֻעִ֨ים (šavū‛īm, wobei „ šavū‘“ die Nummer 7 bedeutet und „ īm“ die pluralisch, maskuline Endung ist) eigentlich sollte nicht „Wochen“ sein (auf Hebräisch wird „Woche“ mit dem Begriff שבועות, šavū‛ōt, bezeichnet, wobei „ōt“ eine feminine, pluralische Endung ist), sondern „sieben Jahre“, d.h. also siebzig mal sieben Jahre.

Die Juden der Zeit Jesu, hatten diesen Text richtig verstanden. Die zeitgenössischen Gelehrten aber konnten die Zeitangaben Daniels nicht interpretieren: ab wann musste man die siebzig mal sieben Jahren rechnen? Nun haben die neuen Entdeckungen in Qumran ermöglicht, dass Wissenschaftler wie Hugh Schonfield, ein wichtiger Experte für die Studien der Schriftrollen vom Toten Meer, herausfinden konnten, dass die hebräischen Schriften nicht nur im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung bereits vollständig, wie man sie heute lesen kann, ausgearbeitet waren, sondern auch dass die Essener, wie viele ihrer Zeitgenossen, den Zeitpunkt der Magna Prophetia berechnet hatten.

Nach ihrer Zeitrechnung, begannen die siebzig mal sieben Jahre (insgesamt 490 Jahre) im Jahr 586 v.Chr., dem Jahr des Beginns der babylonischen Gefangenschaft, und endeten im Jahr 26 v.Chr., dem Beginn der messianischen Ära. Archäologische Ausgrabungen zeigen tatsächlich ab diesem Zeitpunkt eine zunehmende Wohn- und Bautätigkeit im Qumran.

Es waren aber nicht nur die Juden Israels die eine Erwartung ausbrüteten, die sie mit Hoffnung und Begeisterung erfüllte. Auch Tacitus und Sueton berichten in ihren Werken (Historien, der Erste, Acht Bücher über das Leben der Kaiser, der Zweite), dass viele im Osten, nach ihren Schriften, einen Fürsten aus Judäa erwarteten.

Einen Stern im Osten? Der hochberühmte „Komet“

Gerade aus dem Osten liefert sich ein weiteres wertvolles Element, um zu verstehen, warum die messianische Erwartung zur Zeit Jesu, am Epochenwende, so groß war. Auch in anderen Kulturen war nämlich die Ankunft dieses „Fürsten“ erwartet, von dem man sogar bis Rom gehört hatte. Die babylonische und persische Astrologen erwarteten ihn um 7 oder 6 v.Chr.12

Jupiter und Saturn ganz nah am 17. Dezember 2020 © AFP – QUENTIN SEASON / HANS LUCAS

Aber warum gerade in diesem Zeitraum? Weil in diesem Zeitraum ein Stern aufgehen sollte, wie wir vom Matthäus-Evangelium (Kapitel 2) erfahren. Ist aber wirklich damals ein Stern aufgegangen? Auf dieser Frage scheint Kepler eine Antwort gefunden zu haben. Kepler beobachtete in 1603 ein sehr helles Phänomen im Himmel: keinen eigentlichen Kometen, sondern die Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild Fische. Kepler führte daraufhin einige Berechnungen durch und stellte fest, dass die gleiche Konjunktion im Jahr 7 v.Chr. stattfand. Er fand übrigens einen alten rabbinischen Kommentar, in dem herausgestellt wurde, dass die Ankunft eines Messias genau mit dem Moment der Konjunktion stattfinden sollte.

Damals schenkte jedoch niemand Keplers Intuition Glauben, vor allem, weil man immer noch glaubte, dass Jesus im Jahr Null geboren sei. Erst im 18. Jahrhundert entzifferte Friedrich Christian Münter, ein Gelehrter, Lutheraner und Freimaurer, einen Kommentar zum Buch Daniel (dasselbe Buch der Weissagung der „siebzig mal sieben Jahre“). Dieser Kommentar bestätigte durch einer anderen Quelle den jüdischen Glauben, was auch Kepler entdeckt hatte.

Allerdings muss man aber bis zum 19. Jahrhundert warten, bis der von Kepler beobachteten astronomischen Phänomen eine Bestätigung erhielt. Bestätigt wird es zuerst durch die Astronomen des 19. Jahrhunderts, dann durch die Veröffentlichung zweier wichtigen Dokumente: die Planetentafel, in 1902, ein ägyptischen Papyrus in dem die Planetenbewegungen genau aufgezeichnet worden war, insbesondere (durch direkte Beobachtung) die Jupiter-Saturn-Konjunktion im Sternbild Fische, die sich als besonders hell herausstellt; der Sippar-Sternkalender, eine in Keilschrift geschriebene Tontafel babylonischen Ursprungs, in der die Sternbewegungen im Jahr 7 v.Chr. verzeichnet wurden, als diese Konjunktion nach Angaben der babylonische Astronomen sogar dreimal stattfand (am 29. Mai, am 1. Oktober und am 5. Dezember), während dieses Ereignis normalerweise nur jede 794 Jahre eintritt.

Da also in der babylonischen Symbolik Jupiter den Planeten der Weltherrscher, Saturn den Schutzplaneten Israels und das Sternbild Fische das Symbol für das Ende der Zeiten darstellen, ist es nicht schwierig zu vermuten warum die Weisen aus dem Morgenland13 die Ankunft, die sie mit erstaunlicher Genauigkeit im Voraus berechnet hatten, von etwas Außergewöhnliches in Judäa erwarteten.

Nomen omen

Unsere Reise in der Geschichte des Menschen Jesus Offensichtlich kann er die Bedeutung seUnsere Reise in der Geschichte des Menschen Jesus muss natürlich mit seinem Namen beginnen, da man „Nomen omen“ sagt, und das gilt vor allem im Kontext, aus dem Jesus selbst kam, des alten Israels.

Im Hebräischen sind die beiden Namen Jesus und Joshua gleichlautend und homographisch: יְהוֹשֻׁעַ, Yehoshu’a. Die Bedeutung dieses Namens lautet „Gott rettet“.

Christus Pantokrator aus dem Deisis-Mosaik in der Hagia Sophia (Istanbul, Türkei)

Jesus war ein Hebräer, ein Jude, um genauer zu sein: er gehörte zum Stamm Juda, obwohl er vor allem in Galiläa lebte. Nach den Evangelien stammte Jesus über seinen Vater Josef vom Haus Davids ab, eine Vaterschaft die für die Christen nur vermutet wird, da Jesus aus einer Jungfrau namens Maria geboren wurde, die durch die Kraft des Heiligen Geistes schwanger wurde (für die Christen ist Gott einer aber auch dreifaltig, und diese Dreifaltigkeit besteht aus drei Personen gleicher Substanz: Vater, Sohn und Heiliger Geist). Die Jungfrau Maria empfing ihr Sohn nach der Verkündigung eines Engels, während sie bereits mit Josef verlobt war.

Betlehem in Judäa: warum gerade dort?

Heutzutage ist Betlehem eine Stadt im Westjordanland und hat überhaupt nichts Bukolisches an sich oder irgendwas, das an eine Weihnachtskrippe erinnern kann. Aber vor zweitausend Jahren war Betlehem ein kleines Dorf aus nur ein paar hundert Einwohnern. Wurde Jesus genau hier geboren, obwohl seine Familie in Nazareth lebte?

Wir werden erst später die von Cäsar Augustus einberufene Volkszählung angehen, die eine der möglichen Antworten auf diese Frage darstellt. Übrigens, obwohl Betlehem ein kleines Dorf war, war es als König Davids Heimatstadt bekannt, deshalb sollte dort der vom Volk Israel erwartete Messias geboren werden.

Das heißt also, dass den Israeliten und ihren Nachbarn im Osten nicht nur die Zeit, sondern auch der Ort, an dem der „Retter“ des Volks Israel zur Welt gekommen wäre, bekannt war.14

Betlehem, Geburtskirche, fotografiert von Gerardo Ferrara im Jahr 2011

Interessant dabei ist, wie der Name dieses Ortes aus zwei verschiedenen hebräischen Begriffen besteht und was dieses zusammengesetzte Wort heißt. Auf Hebräisch bedeutet es „Haus des Brotes“ (בֵּֽית = bayt oder beṯ: Haus; לֶ֣חֶם = leḥem: Brot), im Arabischen bedeutet es „Haus des Fleisches“ (ﺑﻴﺖ = bayt oder beyt: Haus; لَحْمٍ = laḥm: Fleisch), während es in anderen südarabischen Sprachen auch „Haus des Fisches“ bedeutet. Alle die bisher genannten Sprache sind semitischen Ursprungs, und in diesen Idiomen lassen sich aus derselben dreibuchstabigen Stamm viele unterschiedliche Wörter ableiten, die mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortstammes zusammenhängen. Im Fall des zusammengesetzten Namen Betlehem, haben wir zwei Stämme: b-y-t, das Bayt oder Beth ergibt; l-h-m, das Leḥem o Laḥm ergibt. Jedenfalls bedeutet Bayt/Beth Heimat, und die Bedeutung von Laḥm/Leḥem ändert je nach Sprache.

Die Antwort liegt also in der Herkunft der Bevölkerung denen diese Sprachen gehörten. Die Hebräer, sowie die Aramäer und andere nordwestliche semitische Völker, bewohnten den sogenannten Fruchtbaren Halbmond: einen riesigen Gebiet zwischen Palästina und Mesopotamien. Dort war der Ackerbau möglich und verbreitet, und es handelte sich also um ein sesshaftes Volk. Ihre Hauptnahrungsquelle war daher das Brot, zusammen mit den anderen Früchten ihrer landwirtschaftlichen Arbeit.

Die Araber waren ein nomadisches oder halbnomadisches Volk, das im nördlichen und mittleren Teil der arabischen Halbinsel, eine ziemlich wüstenartige Gegend, lebte. Sie ernährten sich hauptsächlich von der Jagd und der Tierzucht, die das Fleisch zum Lebensmittel schlechthin machten.

Die Südaraber schließlich lebten an der Südküste der Arabischen Halbinsel und ernährten sich hauptsächlich von Fisch. Daher kann man verstehen, warum dasselbe Wort in drei verschiedenen semitischen Sprachen drei unterschiedliche Nahrungsmittel bezeichnet.

Daraus ergibt sich, dass Betlehem für verschiedene Völker eine nur scheinbar unterschiedliche, aber eigentlich eine eindeutige Bedeutung hat. Denn Betlehem bezeichnet nicht unbedingt das Haus des Brotes, des Fleisches oder des Fisches, sondern eher das Haus der wahrhaften Nahrung, auf der man nicht verzichten kann, von der die Existenz selbst abhängt, ohne die man nicht leben kann.

Interessanterweise sagte Jesus über sich selbst: „Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ (Joh 6,51-58). Solch einen sprachwissenschaftlichen Vergleich ist ein Beispiel dafür, dass die Philologie einen wichtigen Beitrag zur Forschung des „historischen Jesus“ und zum Verständnis seines zeitgenössischen kulturellen Kontext leisten kann.

Kommen wir nun zum nächsten Punkt: abgesehen von den philologischen und exegetischen Spekulationen, wurde Jesus wirklich in Betlehem geboren?

Schon in der Mitte des 2. Jahrhunderts schrieb Justin der Märtyrer, der aus Palästina stammte, über die Höhle/den Stall in Betlehem, dessen Erinnerung schon seit einigen Generationen von Vater zu Sohn überliefert worden war. Auch Origenes, ein Gelehrter des 3. Jahrhunderts, bestätigt, dass in Betlehem sowohl Christen als auch Nichtchristen den Ort dieser Höhle kannten.

Aber wieso sprechen wir von „Erinnerung“? Weil Kaiser Hadrian nach den Jüdischen Kriegen die jüdischen und jüdisch-christlichen Stätten der neugegründeten Provinz Palästina auslöschen wollte. Ab 132 ließ er also heidnische Tempel bauen, genau wo davor diejenigen der bisherigen Religion der Region standen.15 Dies wird von Hieronymus16, dem Verfasser der Vulgata, die erste lateinische Übersetzung der gesamten Bibel (Hieronymus lebte 40 Jahre lang in Betlehem), und von Kyrill von Jerusalem17 nachgewiesen.

So wie Hadrian in Jerusalem Statuen des Jupiters und der Venus errichten ließ, wo davor Heiligtümer zur Ehre des Todes und der Auferstehung Christi standen (der Ortsname Jerusalems wurde mittlerweile in Aelia Capitolina verändert), ebenso in Betlehem wurde ein Wald gepflanzt, der dem Tammuz (Adonis) geweiht wurde. Dank der Damnatio memoriae (Verdammung des Andenkens) Hadrians, wurden jedoch heidnische Symbole zu Hinweise für die Suche nach den Spuren der abgerissenen Stätten, deren Erinnerung stets bewahrt worden war.

Somit konnten der erste christliche Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena die genauen Standorte der ersten Domus ecclesiae18, die später zu kleinen Kirchen wurden, ausfindig machen. In diesen Kultstätten wurden nämlich die Andenken und Reliquien des Lebens Jesu von Nazareth verehrt und aufbewahrt.

Geburt Jesu

Für eine gründliche Kenntnis des Lebens Jesu, verweise ich Sie an die Evangelien und an die in der Bibliographie erwähnten Bücher. Ich werde hier nämlich nur einige biographische Angaben ab der Geburt Jesu wiedergeben.

Weihnachten: Macht, das was in den Evangelien enthalten ist, eigentlich Sinn?

Im Lukas-Evangelium (Kapitel 2) erfahren wir, dass die Geburt Jesu sich mit einer Volkszählung überschneidet, die Kaiser Augustus in der ganzen Erde durchführen wollte:

Es geschah in jenen Tagen. Dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

Was wissen wir diesbezüglich? Aus der siebten, achten und zehnten Zeile der Abschrift der Res gestae des Augustus (bei der Ara Pacis in Rom), entnehmen wir, dass Oktavian Augustus dreimal die gesamte römische Bevölkerung zählte, und zwar in den Jahren 28 v.Chr., 8 v.Chr. und 14 n.Chr.

Eine gesamte Bevölkerung in Steuerlisten einzutragen, konnte in der Antike eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bevor dieser Prozess abgeschlossen werden konnte. Es gibt aber auch eine weitere Klarstellung des Evangelisten Lukas: Quirinius war der Statthalter von Syrien, als diese „erste“ Volkszählung stattfand. Nun aber, war P. Sulpicius Quirinius Statthalter von Syrien nur zwischen 6-7 n.Chr. Die Historiker sind in dieser Frage geteilter Meinung: einige gehen davon aus, dass Quirinius schon zwischen in den Jahren 8-6 v.Chr. ein vorheriges Mandat innehatte19; andere hingegen übersetzen den Begriff „erster“ (der sowohl im Lateinischen als auch im Griechischen neutral ist, und daher auch einen als Adverb gelten kann) mit „bevor Quirinius Statthalter von Syrien war“.

Beide diese Vermutungen sind annehmbar. Deshalb ist das was in den Evangelien über die Volkszählung zur Zeit der Geburt Jesu berichtet wird nicht unwahrscheinlich.20 Man muss dabei gedenken, dass es bei diesen Volkszählungen üblich war, sich für die Eintragung in das Heimatdorf und nicht beim Wohnort zu begeben (eine Art Vorläufer der Unterscheidung zwischen Wohnsitz und Domizil). Wahrscheinlich ging also Joseph nach Betlehem um sich in den Steuerlisten eintragen zu lassen.

Weihnachten

Gibt es weitere zeitliche Angaben? Ja, der Tod Herodes des Großen im Jahr 4 v.Chr. Da er in diesem Jahr starb und, nach den Evangelien ungefähr zwei Jahre zwischen der Geburt Jesu und dem Tod des Königs vergingen, fällt die Geburt Jesu genau mit dem Jahr 6 v.Chr. zusammen.

Adorazione del Bambino, Giovanni Battista Tiepolo, Markusdom, Venedig

Was den eigentlichen Dies natalis, den genauen Geburtstag, betrifft, hat man lange angenommen, dass er nur später auf den 25. Dezember gelegt wurde, um mit dem Dies Solis Invicti zusammenzufallen, einem wahrscheinlich mit dem Mithraskult verbundenen Feiertag heidnischen Ursprungs, um diesen heidnischen Feiertag mit einen christlichen zu ersetzen.

Entdeckungen der letzten Jahren in Qumaran zeigen jedoch, dass dies nicht unbedingt der Fall sei und dass wir deshalb einen Grund haben, Weihnachten am 25. Dezember zu feiern.

Wieder aus dem Lukas-Evangelium (der uns die ausführlichsten Berichte über die Geburt Jesu liefert) entnehmen wir, dass Maria schwanger wurde, als sich ihre Verwandte Elisabeth bereits im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft befand. Die westlichen Christen haben die Verkündigung des Herrn schon immer am 25. März (genau neun Monate vor Weihnachten) gefeiert.

Die Christen im Osten hingegen, feiern auch am 23. September die Verkündigung an Zacharias (Vater von Johannes dem Täufer und Ehemann Elisabeths). Aus Lukas entnehmen wir einen weiteren Detail. Als Zacharias erfuhr, dass seine Frau, die schon etwas älter war, schwanger werden würde, war und diente er im Tempel, da er aus der Priesterkaste stammte und dem Stamm Abias angehörte.

Allerdings gibt das Lukas-Evangelium nicht an, wann der Stamm Abias im Dienst war, weil, als es verfasst wurde, der Tempel noch im Betrieb war und die Priesterklassen ihren jährlichen Rotationen regelmäßig folgten. Doch zahlreiche Fragmente des Buches der Jubiläen, die in Qumaran aufgefunden wurden, haben Forschern (wie der Französin Annie Jaubert und dem Israeli Shemarjahu Talmon) ermöglicht, zurückzuverfolgen, dass die Schicht des Stamm Abias zweimal im Jahr stattfand: das erste Mal vom 8. bis zum 14. Tag des dritten Monats des jüdischen Kalenders und das zweite Mal vom 24. bis zum 30. des achten Monats desselben Kalenders. Diese Tage entsprechen den letzten zehn Tagen in September. Das bringt sich mit dem orientalischen Fest des 23. Septembers in Einklang, sechs Monate vor dem 25. März entfernt, was zu der Annahme führen kann, dass die Geburt Jesu tatsächlich in den letzten zehn Tage in Dezember stattfand: vielleicht nicht gerade am 25. Dezember, aber nicht weit von dort entfernt.

Die ersten Lebensjahre Jesu und der Beginn seiner Predigt

Nun setzen wir mit unserem Exkurs über das Leben Jesu fort.

Bisher haben wir gesehen, dass um 6 v.Chr. sowohl Elisabeth, Ehefrau des Priesters Zacharias aus dem Geschlecht Abias, als auch ihre Verwandte (oder Cousine) Maria, die, nach christlichen Schriften, eine Jungfrau war und die mit einem Mann aus dem Stamm Davids, namens Josef, verlobt war, schwanger wurden.

Josef musste sich aufgrund der von Kaiser ausgerufenen Volkszählung in Betlehem, die Stadt Davids, begeben (alle Männer mussten in ihre Heimatstädte zurückkehren, um sich eintragen zu lassen). Dort brachte seine Frau Maria einen Sohn zur Welt, den sie Jesus nannte.

Die Evangelien berichten auch, dass einige Sterndeuter aus dem Osten kamen, nachdem sie einen Stern aufgehen gesehen hatten, um den in den antiken Schriften vorhergesagten neuen Fürsten der Welt anzubeten. Sie berichten auch, dass, sobald König Herodes hörte, dass sich die Prophetie über den Messias, den neuen König Israels, bald erfüllt hätte, er beschloss, alle männliche Kinder unter zwei Jahren töten zu lassen. Von diesem Ereignis finden wir jedoch nur einige Spuren bei Flavius Josephus, aber sonst berichtet darüber niemand. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, wie schon Giuseppe Ricciotti betont, dass jemand sich die Mühe gemacht hätte in einer dünn besiedelten Gegend wie Betlehem, in einer Zeit, in der das Leben eines Kindes keinen Wert hatte, etwas über den gewaltsamen Tod eines armen, unglücklichen Kindes aufzuzeichnen.

Nachdem sie über die Plänen des Herodes erfahren hatten (das Matthäus-Evangelium berichtet von einem Engel, der Josef im Traum erschienen war und ihn darüber warnte), flohen Mutter, Vater und neugeborener Sohn nach Ägypten, wo sie einige Jahre lang, bis zum Tod Herodes (d.h. bis nach 4 v.Chr.), blieben.

Über die Kindheit und das frühe Leben des Nazareners wissen wir kaum, bis auf der Erwähnung im Lukas-Evangelium, als Jesus im Alter von zwölf Jahren auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem von seinen Eltern verloren wurde und nach drei Tagen, während dessen er mit den Gelehrten des Tempels diskutierte, wiedergefunden wurde. Nur zwischen 27 und 28 n.Chr. begann er sein öffentliches Leben, im Alter von ungefähr dreiunddreißig Jahre und kurz von Johannes den Täufer vorausgegangen, der angeblich einige Monate (oder ein Jahr) früher seine Prädikation begonnen haben soll.

Dank eines Hinweises im Johannes-Evangelium (das chronologisch, historisch und geografisch am genauesten ist) können wir bis zum Beginn der Verkündigung Jesu zurückgehen: im Streit mit Jesus im Tempel, erwidern die Schriftgelehrten: „Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?“ Da wir wissen, dass Herodes der Große mit einigen Umarbeiten des Tempels zwischen 20 und 19 v.Chr. begonnen hatte, wenn wir die im Evangelium erwähnten sechsundvierzig Jahre berücksichtigen und dazu zählen, gelangenwir genau im Jahr 27/28 n.Chr.

Die Verkündigung von Johannes dem Täufer kam jedoch der von Jesus um kurze Zeit zuvor. Den Evangelisten nach, war aber Johannes nur ein Vorläufer des Mannes aus Galiläa, des wahren Messias Israels. Johannes, von dem man annimmt, dass er anfänglich ein Essener war, hatte sich endgültig, wie bereits erwähnt, von der strengen elitären Lehre der Sekte in Qumran abgewandt.

Er verkündete eine Bußtaufe durch das Eintauchen im Fluss Jordan (in einem Umgebung nicht viel von Qumran selbst entfernt), um sich auf das Kommen des Erlösers, des messianischen Königs, vorzubereiten. Über sich selbst sagte er: „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!“ (Joh 1,23). Er wurde jedoch bald von Herodes Antipas21, dem Tetrarchen durch Galiläa und Sohn Herodes des Großen, ermordet.

Die Bergpredigt. Fra Angelico, Florenz, San Marco Nationalmuseum

Der Tod des Johannes hinderte die Verkündigung Jesu nicht. Der Mann aus Nazareth verkündete den Frieden, die Feindesliebe und das Kommen einer neuen Ära der Gerechtigkeit und des Friedens, des Reiches Gottes, das jedoch nicht so gewesen wäre, wie es seine jüdischen Zeitgenossen erwarteten (und wie Propheten angekündigt hatten). Die Prophetien sprachen nämlich von einem irdischen Reich, in dem Israel sich von den Unterdrückern befreit hätte und andere Völker (die Heiden) beherrscht hätte; sie erwähnten nicht ein Reich für die Armen, Demütigen und Milden.

Wir werden die Verkündigung Jesu im nächsten Abschnitt vertiefen; es ist jedoch nennenswert, dass sie zunächst einen großen Erfolg vorwies, vor allem weil sie, wie die Evangelien berichten, von einer großen Zahl von wunderbaren Zeichen begleitet wurde (z.B. Vermehrung der Brote und Fische für Tausende von Menschen; Heilung von Aussätzigen, Gelähmten, Blinden und Tauben; Auferstehung der Toten, Verwandlung von Wasser in Wein). Sein Werk jedoch geriet in erhebliche Schwierigkeiten, als Jesus selbst andeutete, dass er mehr als ein Mensch sei, und sogar als Sohn Gottes auftrat.

Er setzte sich übrigens der religiösen Elite (den Pharisäern und den Schriftgelehrten, die er ohne Zögern als „Giftschlangen“ und „Geier“ nannte) seiner Zeit entgegen, indem er verkündete, dass der Mensch wichtiger sei als der Sabbat und die Sabbatruhe (nach pharisäischem Verständnis war der Sabbat fast wichtiger als Gott) und dass er selbst wichtiger sei als der Tempel. Auch die Sadduzäer, mit denen Jesus überhaupt nicht freundlicher umging, hassten ihn. Zusammen mit den Herodianern waren sie die stärksten Gegner Jesu, und, da er unter dem Volk sehr beliebt war, befürchteten sie, dass er das Volk gegen sie und die Römer erhoben hätte.

All dies dauerte etwa drei Jahre (das Johannes-Evangelium erwähnt drei Passahfeste; dieses Evangelium, wie schon gesagt, ist das genaueste, wenn es darum geht, die Ungenauigkeiten der anderen drei zu korrigieren und auf chronologischen Details hinzuweisen, die übersehen wurden). Darauf ging er zum letzten Mal nach Jerusalem, um das Passahfest zu feiern.22 All dies dauerte etwa drei Jahre (das Johannes-Evangelium erwähnt drei Passahfeste; dieses Evangelium, wie schon gesagt, ist das genaueste, wenn es darum geht, die Ungenauigkeiten der anderen drei zu korrigieren und auf chronologischen Details hinzuweisen, die übersehen wurden). Darauf ging er zum letzten Mal nach Jerusalem, um das Passahfest zu feiern. Dort erwarteten ihn, neben einer freudigen Menschenmenge, auch die Pharisäer, die Schriftgelehrten, die Sadduzäer und die Herodianer, die sich gegen Jesus verschworen hatten um ihn zu töten. Sie nutzten den Verrat eines seiner Jünger (Judas Iskariot) aus um ihn festzunehmen und dann den Römern zu übergeben. Nach einem Schnellverfahren wusch sich der Prokurator (oder Praefectus) Pontius Pilatus die Hände und ließ ihn kreuzigen.

Jesu Tod am Kreuz

Alle vier Evangelisten stimmen darin überein, den Tod Jesu am Kreuz am Freitag (Parascha) im Rahmen der des Passahfest zu legen.

Giuseppe Ricciotti schlussfolgert aus allen von den Experten analysierten Möglichkeiten, dass das genaue Datum dieses Ereignisses am 14. Tag des Mondmonats Nisans des jüdischen Kalenders (Freitag, den 7. April) im Jahr 30 n.Chr. eintrat. Wenn man also annimmt, dass er zwei Jahre vor dem Tod des Herodes geboren wurde23 und zu Beginn seines öffentlichen Lebens rund dreißig Jahre alt war (wahrscheinlich war er zweiunddreißig oder dreiunddreißig Jahre alt), muss er bei seinem Tod ungefähr 35 Jahre alt gewesen sein.

Die Evangelien machen bekannt, dass Jesus den grausamsten Tod erlitt, den normalerweise Sklaven, Mörder oder nicht römische Bürger erleiden mussten: die Kreuzigung, der zuvor eine ebenso schreckliche Folterung kam. Die verurteilte Person musste eine Geißelung (die von Horaz als horribile flagellum beschrieben wurde)durchgehen, die mit einem Instrument namens Flagrum durchgeführt wurde, einer mit Metallkugeln und Knocheninstrumenten bestückte Peitsche, die gedacht war die Haut durchzutrennen und Fleischstücke abzureisen.

Flagrum

Die zur Zeit angewendete Art von Kreuzen waren zwei: die Crux commissa, die T-förmig war, oder die Crux immissa, welche die Form eines Dolchs hatte.24

Laut den Evangelien, nachdem Jesus zu Tode verurteilt wurde, musste er selber, das Kreuz (eher den Querbalken, den Patibulum, der Crux immissa) auf einen Hügel außerhalb den Stadttoren Jerusalems (den Hügel Golgotha, genau dort, wo heute die Grabeskirche steht) schleppen, wo er nach dem römischen Verfahren entkleidet wurde.

Man kann weitere Details der Strafe aus dem üblichen Verfahren der Kreuzigung entnehmen: sie wurden mit ausgestreckten Armen an das Patibulum gefesselt oder genagelt und an der bereits angebrachten senkrechten Stange hochgehoben. Die Füße hingegen wurden an diese senkrechte Stange gebunden oder genagelt, wo auch auf Gesäßhöhe eine Art Stützsitz angebracht war.

Der Tod trat somit langsam (sehr langsam) ein und war von qualvollem Leiden begleitet: das Opfer wurde nicht mehr als einen halben Meter vom Boden aufgerichtet, stand völlig nackt da und konnte stunden- aber auch tagelang dort hängen bleiben, von den tetanischen Kämpfe erschüttert, von Reizen und Unmöglichkeit, richtig zu atmen, gequält, da das Blut nicht bis zu den weit gestreckten Körperglieder fließen konnte, eben so wenig wie zum Herz und zu den Lungen, die sich nicht richtig öffnen konnten.

Christus vor Pilatus, Mihály Munkácsy, 1881.

Von den christlichen Autoren entnehmen wir jedoch, dass die Todesqual Jesu nur wenige Stunden dauerte (von der sechsten bis zur neunten Stunde), wahrscheinlich aufgrund den enormen Blutverlustes (hypovolämische Schock), der von der Geißelung verursacht wurde. Nach seinem Tod wurde er, den christlichen Schriften nach, in ein neues Grab gelegt, das in der Nähe der Kreuzigungsstätte (nur einige Meter entfernt) in einen Fels gehauen worden war.

Hiermit endet natürlich die Geschichte des Lebens des „historischen Jesus“ und beginnt die der „Glaubensfigur Christi“, denn, wie man in den Evangelien liest, erstand Jesus von Nazareth am dritten Tag von den Toten auf und erschien nach und nach zuerst einigen Frauen (etwas Unerhörtes, da in seiner Zeit das Zeugnis einer Frau nichts wert war), seiner Mutter, den Jüngern und erst dann, bevor zur Rechten Gottes in dem Himmel auffuhr, erschien er mehr als fünfhundert Menschen. Paulus von Tarsus berichtet, dass Jesus noch, als Paulus selbst seine Briefe schreibt (um 50 n.Chr.), am Leben sei.

Jesu Botschaft: das Kerygma

Die Geschichte des „historischen Jesus“ scheint, eine Geschichte eines Scheiterns zu sein, vielleicht sogar des größten Scheiterns der Geschichte selbst. Im Gegensatz zu anderen Persönlichkeiten, die den Lauf der Zeit geprägt haben und in der Erinnerung der Nachkommen geblieben sind, hat Jesus aus rein menschlicher oder besser aus makrogeschichtlicher Sicht praktisch nichts Außergewöhnliches getan: er hat weder Armeen zur Eroberung neuer Gebiete angeführt, noch Feindesshorden besiegt, noch Mengen an Beute, Frauen, Sklaven und Diener angehäuft, noch literarische Werke geschrieben, noch etwas gemalt oder gemeißelt. Wenn man dann auch bedenkt, wie sein irdisches Leben beendete, mit Spott, Hohn, einem gewaltsamen Tod und einem anonymen Begräbnis, wie konnte dann ein „von den Römern hingerichteter Räuber“ (ich zitiere die Frage eines Freundes von mir) zum Eckstein der Geschichte werden? Es scheint, sich bewahrheitet zu sein, was man über ihn sagte: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist“ (Apg 4,11). Ist es nicht ein Paradoxon?

Wenn man hingegen den Verlauf seines Lebens aus mikrogeschichtlicher Sicht betrachtet, d.h. im Hinblick auf den Einfluss, den er auf jene Menschen um ihn ausübte, auf diejenigen, die er heilte, beeindruckte, das Herz erweichte und ihr das Leben veränderte, dann fällt es uns leichter, an das zu glauben, was er selber zu seinen Anhängern gesagt hätte: „Ihr werdet noch größere Werke tun“. Tatsache ist, dass es seine Jünger und Apostel waren, die mit der Missionsarbeit begannen und seine Botschaft in die ganze Welt verbreiteten. Als Jesus noch am Leben war, hatte seine Botschaft, das Evangelium, die Frohbotschaft, die Grenzen Palästinas noch nicht überschritten. Im Gegenteil, es schien als ob sie kurz nach dem Tod Jesu gestorben wäre.

Nichtsdestotrotz, begann eine neue und unaufhaltsame Kraft, die gleichzeitig klein und verborgen war, von dieser kleinen Ecke des Mittleren Ostens aus wie Hefe zu gären, und zwar auf eine Art und Weise, die (ich wiederhole es) völlig unbegreiflich ist. Sogar Paulus von Tarsus gab Zeugnis davon, dass die Schwierigkeit für die Ausbreitung der „Frohen Botschaft“ nicht nur in Verbindung mit den oft paradoxen Aussagen zu setzen ist (wie z.B. die Seligpreisung der Kleinen, der Demütigen, der Kinder, geistlich Armen – unerhörte Aussagen für die damalige Zeit), sondern eher mit der Tatsache, dass man das Evangelium mit einer Person identifizieren musste, die in absoluter Schmach gestorben war, und von der man behauptete, dass sie auferstanden sei. Paulus beschreibt die Kreuzbotschaft, als Skandal für die Juden, die Heilzeichen suchen, und als Torheit für die Griechen, die der Weisheit nachgehen (1 Kor, 1,1-22).

Wie bereits erwähnt, ist hier nicht der richtige Ort, sich weiterhin mit diesem Thema zu befassen, denn Ziel dieser Arbeit ist hingegen, sich mit dem „historischen Jesus“ und nicht mit der „Glaubensfigur Christi“ zu befassen. Es steht jedoch fest, dass der eine ohne den anderen nicht zu verstehen ist. Deshalb werde ich nur einige wenige Anregungen geben, die im Mittelpunkt der Botschaft Jesu von Nazareth stehen und das Herzstück des Evangeliums (εὐαγγέλιον, euanghélion; wörtlich gute Nachricht, die Frohbotschaft) darstellen: das sogenannte Kerygma.

Dieser Begriff ist griechischen Ursprungs (κήρυγμα, vom Verb κηρύσσω, kēryssō, abgeleitet, was so viel wie „schreien“, „wie Ausrufer schreien“, „eine Botschaft verbreiten“ bedeutet). Die Botschaft ist folgende: die Verkündigung des Lebens, des Todes, der Auferstehung und der glorreichen Wiederkunft Jesu von Nazareth, auch Christus genannt, durch das Wirken des Heiligen Geistes. Für die Christen stellt dies ein direktes Eingreifen Gottes in die Menschengeschichte dar: Gott, der Mensch wird, sich auf die Ebene der Geschöpfe herabsetzt, um diese zur Würde von Söhnen und Töchtern zu erheben; um sie aus der Knechtschaft der Sünde (ein neues Ostern) und des Todes zu befreien und ihnen durch das Opfer seines einzigen Sohnes das ewige Leben zu schenken.

Diese Herabsenkung Gottes zu den Menschen wird mit κένωσις (kénōsis) bezeichnet: auch dieses Wort stammt aus dem griechischen und bedeutet „Entleerung“. Gott senkt sich herab und entleert sich, er entkleidet sich also seiner eigenen Eigenschaften und göttlichen Merkmale, um sie den Menschen zu schenken, diese mit ihnen zu teilen, in einer Bewegung zwischen Himmel und Erde, die nach dem Abstieg auch einen Aufstieg von der Erde zum Himmel voraussetzt: die Theosis (θέοσις), die Erhebung der menschlichen Natur, welche die göttlichen Eigenschaften auf sich nimmt; in der christlichen Lehre ist jeder Getaufte Christus selbst25. Das bedeutet, dass die Herabsenkung Gottes zur Apotheose des Menschen führt.

Aus einer historischen Sicht ist das Konzept des Kerygmas ein wesentlicher Aspekt, der zu verstehen gibt, wie zu Beginn des Christentums diese Verkündigung und die Identifizierung Jesu mit Gott in den Worten und Schriften seiner Jünger und Apostel zugegen war. Gerade diese Identifizierung war, unter anderem, auch der Grund der Todesverurteilung Jesu durch die Vertreter des Judentums jener Zeit. Eine Spur davon findet man nämlich nicht nur in den Evangelien, sondern auch (und vor allem) in den Paulusbriefen (die auch älter sind und vor den Evangelien verfasst wurden: der erste Brief an die Thessalonicher reicht bis 52 n.Chr. zurück26). Diese Briefe berichten, das was Paulus von Tarsus angeblich selbst gelernt hat, nämlich dass Jesus von Nazareth geboren, gestorben und für die Sünden der Welt auferstanden ist, wie es in der Heiligen Schrift steht.

Es besteht also kein Zweifel daran, dass die Identifizierung des „historischen Jesus“ mit der „Glaubensfigur Christi“ keineswegs spät, sondern unmittelbar erfolgte und sich aus den Worten ergab, mit denen sich Jesus selbst bezeichnete und seiner Person die Prophezeiungen und messianischen Bilder der gesamten Geschichte des Volkes Israel zuordnete.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist seine Methode, die Pädagogik des Nazareners: er erzieht (der lateinische Begriff dafür, educĕre, setzt voraus, dass man etwas von einem Ort zum anderen führt, aber auch etwas hinausnimmt) wie es Lehrer tun. Aus der Analyse seiner Worte, Gesten und Taten, scheint Jesus, nicht von alleine ein Werkt vollbringen zu wollen. Ganz im Gegenteil, er möchte, dass auch diejenige, die von ihm Berufen werden, lernen, wie er zu handeln und ihm auf dem Weg zu Gott zu folgen, in einem ständigen Dialog zwischen verwendete Symbole, Orte und Inhalte der Schriften. Er hat auch tatsächlich gesagt: „Lernt von mir!“. Man kann diesen Satz in einem Abschnitt des Matthäus-Evangelium finden, in dem Jesus seine Jünger auffordert, ihm in Sanftmut und Güte gleich zu sein, und sich klein und demütig zu machen (Mt 11,29).

Er bleibt in seinerSanftmut, in seiner Güte, in seiner Gewaltfreiheit und in seinem Respekt den Nächsten gegenüber, nicht nur intellektuell, sonder auch literarisch konsequent, unverändert, niemals widersprüchlich, bis zum Tod. Jesus lehrt seinen Jüngern nicht nur nicht zu töten, sondern das eigene Leben für die anderen hinzugeben; er lehrt auch nicht nur die Freunde sondern auch die Feinde zu lieben, sich nicht nur gut zu benehmen, sondern Gott ähnlich zu werden. Dabei gibt er nicht einen abstrakten Vorbild vor, wie z.B. jemanden der in Zeit und Ort weit entfernt ist oder eine irgendwo in den Himmel verborgene Gottheit, sondern er gibt sich selbst als Vorbild. Er sagt: „Macht es mir nach!“

Interessanterweise, scheint sogar seine Wanderschaft durch Israel ein Ausdruck seiner Mission zu sein, die mit der Taufe im Fluss Jordan durch Johannes den Täufer am tiefstgelegenen Punkt der Erde (der Ufer des Jordans um Jericho) beginnt und dort gipfelt, wo sich in der damaligen kollektiven Vorstellung des jüdischen Volkes der höchste Punkt der Erde befindet: Jerusalem. Wie der Jordan (dessen hebräischer Name ירדן , Yarden, gerade „der Hinabsteigende“ bedeutet), so steigt Jesus zum Toten Meer hinab (einem verlassenen, kahlen und niedrigen Ort), um sich dann hinauf zu begeben, wo er dann vom Boden „erhöht werden“ und „alle zu sich gezogen“ hätte (Joh 12,32), doch in einem ganz anderen Sinn, als man es von ihm hätte erwarten können.

Es handelt sich von einer Rreise, die ihren Sinn in der Vorstellung der jüdischen Pilgerreise zur Heiligen Stadt selbst findet. Diese Pilgerfahrten wurden während der wichtigen Festlichkeiten unternommen und wurden mit den sogenannten „Lieder des Aufstiegs“ begleitet, wenn man von der Ebene von Esdraelon oder, häufiger, von der Straße, die von Jericho in die Berge Judäas brachte, hinaufstieg. Im übertragenen Sinn, kann man dieses Verständnis der Pilgerfahrt des „Aufstiegs“ auch im modernen Begriff der עלייה (‘aliyah) wiederfinden, die Auswanderung oder Pilgerreise nach Israel der Juden (aber auch der Christen). Sie pilgern dorthin um die Gegend zu besichtigen oder um dort zu leben. Sie bezeichnen sich als עולים, ‘ōlīm (kommt vom gleichen Stamm ‘al her), das soviel wie „die Aufsteigenden“ bedeutet. Sogar der Name der israelischen nationalen Fluggesellschaft El Al (אל על) bedeutet wörtlich „nach oben“ mit einer doppelten Bedeutung: nach oben in dem Himmel, aber auch hinauf in das Land Israel, ins besondere nach Jerusalem.

Schließlich, wird mit der Bergpredigt, die eigentliche Idee des „Herrschers der Welt“, den die Zeitgenossen Jesu erwarteten, umgewälzt. Diese Rede gilt als eine Art Programmrede in der Jesus von Nazareth seine Mission schildert: selig (d.h. glücklich) sind nicht die Reichen, sondern die armen im Geiste; nicht die Starken, sondern die Schwachen; selig sind auch nicht die Mächtigen, sondern die Demütigen; nicht die Kriegstreiber, sondern die Friedensstifter.

Und nicht zuletzt, teilt Jesus eine große Tröstung für die Menschheit mit: Gott ist Vater. Er ist aber nicht ein allgemeiner Vater, im Sinne eines Beschützers eines Volkes vor anderen, sondern er ist ein weichherziger Vater, ein „Papa“ (Jesus nennt ihn auf Aramäisch so: אבא, abba) für jeden Menschen, wie es der Bibelwissenschaftler Jean Carmignac ausdrückt27:

Für Jesus ist Gott im Wesentlichen Vater, genauso wie er Liebe ist (1Joh 4,8). Jesus ist vor allem „Sohn“ Gottes auf einer Art und Weise, die vor ihm unvorstellbar war. Und so ist Gott für ihn „der Vater“ im engsten Sinne des Wortes. Die Vaterschaft Gottes und Abstammung Jesu bringen mit sich auch die Teilhabe an der einzigen göttlichen Natur. […] Dass die Menschwerdung des Sohnes den Menschen die Macht gibt „Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12) und dass man seine Botschaft als eine Offenbarung des Vaters bezeichnen könnte (Joh 1,18), um den Menschen kundzugeben, dass sie Söhne Und Töchter Gottes sind (1 Joh 3,1), sind zentrale Themen in der Verkündigung Jesu. Durch die Worte Jesu wird dieser Wahrheit eine so große Wichtigkeit beigemessen, dass sie zum Fundament seiner Verkündung wird: alle guten Taten haben die Ehre des Vaters zum Ziel (Mt 5:16); jeder soll dem anderen vergeben, wie der Vater ihm vergibt (Mt 6,14-15; Mk 11,25-26); im Himmelreich kommen nur jene, die den Willen des Vaters tun (Mt 7,21); die Fülle des moralischen Lebens besteht darin, barmherzig zu sein, wie der Vater barmherzig ist (Lk 6,36) und vollkommen zu sein, wie der himmlische Vater vollkommen ist (Mt 5, 48). […] Von dieser Vaterschaft ergibt sich unmittelbar folgendes: da die Menschen denselben „Vater“ teilen, sind sie tatsächlich Brüder und Schwestern, die sich gegenseitig lieben und dementsprechend benehmen sollen. Hierin liegt liegt das Grundprinzip, das die gesamte Moral und dieSpiritualität des Christentums beseelt. Dies wurde bereits in den Evangelien ausdrücklich verkündet: „Ihr alle aber seid Brüder, […] denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“ (Mt, 23,8-9)

Somit beenden wir unsere Reise auf der Suche nach dem „historischen Jesus“ bewusst, dass er, für beide Gläubige und Nicht-Gläubige, das größte und faszinierendste Geheimnis der Geschichte bleibt und immer bleiben wird.

Übersetzung aus dem Italienischen von Elia Gittardi

1 Die Herkunft des deutschen Wortes „Geschichte“ leitet sich vom Mittelhochdeutschen geschiht und dem Althochdeutschen gisciht ab, das soviel wie Geschehnis, Ereignis bedeutet [A.d.Ü.]

2 Jean Guitton hat seine drei „Lösungen“ erarbeitet indem er drei Etappen der historischen Recherche über Jesus von Nazareth definiert hat: die Erste, die Zweite und die Dritte Forschung. Wir werden diese Unterteilung in einem nächsten Artikel angehen.

3 Beispiele zum Fortschritt der Entdeckungen über die „historische Figur Jesu“ (die sich schon ab 17. Jahrhundert stufenweise von der „Glaubensfigur Christi“ trennt), werden in einem eigens dafür gewidmeten Artikel über die historiographische Forschung, die Methodik und die Quellen über Jesus veröffentlicht werden.

4 Friedrich Nietzsche, L’Anticristo. Maledizione del cristianesimo (Der Antichrist. Fluch auf das Christentum), Adelphi, 1977 (Seite73)

5 Richard Rorty, Objectivity, Relativism and Truth. Philosophical Papers, Cambridge, 1991

6 Benedetto Croce, Perché non possiamo non dirci cristiani, Centro Pannunzio, Torino, 2008 (Seite 14)

7 Die Dritte Forschung, die also einer ersten und zweiten folgt, ist heutzutage die überwiegend angewandte historisch-kritische Methode. Sie macht von der Analyse und der Hermeneutik des Textes Gebrauch um somit sich so nahe wie möglich an der Originalform der untersuchten Quellen (in diesem Fall die sich an Jesus beziehen) zu kommen. Wichtige Vertreter davon sind David Flusser (1917-2000), Autor einer Reihe von grundlegenden Texten über das antike Judentum und viele andere zeitgenössische Israelis, die davon überzeugt sind, dass die Evangelien und die paulinischen Schriften die reichhaltigsten und zuverlässigsten Quellen für die Studien des Judentums des Zweiten Tempels darstellen, da andere zeitgenössische Dokumente aufgrund der Zerstörung durch die Jüdischen Kriege (zwischen 70 und 132 n.Chr.) verloren gegangen sind.

8 Benedetto XVI, Gesù di Nazareth (Jesus von Nazareth), Doubleday, 2017 (Seiten 12-13)

9 daher ins deutsche [A.d.Ü]

10 und deutscher [A.d.Ü.]

11 Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrenstab von seinen Füßen, bis Schilo kommt, dem der Gehorsam der Völker gebührt.

12 Heutzutage ist es fast allgemein angenommen, dass das Geburtsjahr Jesu das Jahr 6 v.Chr. ist; das ist auf ein Fehler des Mönches, Dionysius Exiguus zurückzuführen. Er hatte im Jahr 533 den Beginn Zeitrechnung mit der Geburt Jesu gesetzt, doch er verrechnete sich um 6 Jahren.

13 Auf griechisch werden sie μάγοι, mágoi, bezeichnet. Die Herkunft dieses Begriffs ist im antiken persischen Titel magūsh zu suchen, der den Priestern der zoroastrischen Religion vorbehalten war.

14 „Aber du, Betlehem-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen. Darum gibt er sie preis, bis zu der Zeit, da die Gebärende geboren hat. Dann wird der Rest seiner Brüder zurückkehren zu den Söhnen Israels. Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde“ (Micha, Kapitel 5).

15 Damals war die Unterscheidung zwischen Judentum und Christentum noch nicht ganz klar. Vor allem unter den Heiden, aber auch unter den Judenchristen gab es eine Tendenz, Christen und Juden als Sekten derselben Religion zu betrachten.

16 Hieronymus, Lettere, 58 (Ad Paulinum presbyterum), 3.

17 Kyrill von Jerusalem, Catechesi, 12, 20: „Bis vor wenigen Jahren war der Ort von einem Wald bedeckt.“

18 Domus ecclesia bedeutet wortwörtlich „Haus-Kirche: die ersten christlichen Kultorte waren tatsächlich Häuser, die an Ortschaften gebaut wurden (oder bereits dort standen), die als heilig galten (z.B. das Haus Marias in Nazareth, das Haus des Petrus in Kafarnaum usw.). Dort versammelten sich die ersten christlichen Gemeinden, um zusammen ihre Liturgien zu feiern. Die Häuser wurden nach und nach in kleinen Kirchen umgewandelt und in einigen Fällen zu Basiliken erweitert. Dieser besondere Prozess lässt sich in Kafarnaum ganz klar beobachten, wo franziskanische und israelische Archäologen das sogenannte „Haus des Petrus“ freigelegt haben: einen viereckigen Raum von rund acht meter langen Wänden, dessen Lehmboden gegen Ende des ersten Jahrhunderts mit Kalk gedeckt und im 5. Jahrhundert mit einem polychromen Pflaster geschmückt wurde. Darüber wurde dann ein achteckiges Gebäude errichtet. Der Verfahren der archäologischen Untersuchung ist identisch mit dem, der in Rom bei den Ausgrabungen der vatikanischen Nekropole (unter dem heutigen Petersdom), der Katakomben von San Sebastiano usw. angewandt wurde.

19 Diese These wäre von dem Lapis (oder Titulus) Tiburtinus bestätigt.

20 S. Fußnote 12 über Dionysius Exiguus.

21 Flavius Josephus schreibt : “Den letzteren nämlich [Johannes den Täufer] hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, den die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu sterben, indem er sie ermahnte Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen. […] Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben, und hielt es daher besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen, als beim Eintritt einer Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und dann, wenn es zu spät sei, Reue empfinden zu müssen. Auf diesen Verdacht hin lies also Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machaerus bringen, die oben erwähnte, und dort hinrichten.“ Dies ist ein weiterer Beispiel von einer nicht-christlichen Quelle, die das was in den Evangelien geschrieben ist bestätigt. [Flavius Josephus, Jüdische Altertümer (18. Buch, 5. Kapitel), Übersetzung von Heinrich Clementz, Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer, Wiesbaden, 1987].

22 Das jüdische Osterfest, Pessachfest (auf hebräisch: פֶּסַח, pesaḥ, Durchzug), erinnert und feiert die Befreiung des Volkes Israels aus der Sklaverei in Ägypten und den Übergang von der Sklaverei zur Freiheit.

23 Giuseppe Ricciotti, Vita di Gesù Cristo (Das Lebe Jesu mit kritischer Einführung), Mondadori, 1994 (p. 177).

24 Diese Art des Kreuzes ist, die die wir heute mit Jesus in Verbindung setzen. Aus dem Matthäus-Evangelium wissen wir nämlich, dass über dem Kopf Jesu eine Tafel (Titulum) angebracht worden war, die den Grund der Verurteilung erklärte.

25 Im Vorwort des 5. Buches des Werkes Adversus Haereses (Gegen den Häresien) schreibt Irenäus von Lyon, dass „Christus wurde durch seine überreiche Liebe, was wir sind, um aus uns das zu machen, was er ist.“

26 Die zeitliche Nähe der schriftlichen Quellen, die über Jesus gefunden wurden, beeindruckt heute die Historiker. Die ältesten Papyri die das Neue Testament enthalten, stammen nämlich aus dem frühen 3. Jahrhundert, während beispielsweise die älteste vollständige Handschrift der Ilias erst aus dem 10. Jahrhundert stammt.

27 Jean Carmignac, Ascoltando il Padre Nostro. La preghiera del Signore come può averla pronunciata Gesù, Amazon Publishing, 2020, p. 10. Übersetzung aus dem Französischen und Adaption ins Italienische von Gerardo Ferrara.

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